Der Fluss des Vergessen (sorry - german)

Deacan

Commodore
Hi there!

I'm quite busy at the moment, my work nearly eatens up my time.
But I found something on my harddisc that someone maybe find useful...

It's a Wing Commander story I startet some times ago, I can try to continiue with that story - if you like. Yes, it's onlay in german language... perhaps someone can make a translation.

Deacan

PS: no, dont worry. I still work on my "Erwachen" - series of novels. This here is just a little work I did when I need a bit of an break. Okay?

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Der Fluss des Vergessens


„Wenn Sie dann bitte hier warten würden? Der Commander ist bereits auf dem Weg hierher.“
„Natürlich. Und vielen Dank.“ Leise schloss sich hinter dem Piloten die Tür, er war wieder allein. Es war eine halbe Ewigkeit her, seitdem er eine Basis hier diese hier betreten hatte – Standardaußenposten, eine von unzähligen, während des langen Krieges mit den Kilrathi gebaute und anschließend den Grenzwelten überlassende Konstruktion aus Stahl und irgendwelchen Verbundstoffen. Ein kleines Fenster lud den Gast zum Verweilen ein, zumindest während des Krieges lohnte sich der Blick nach draußen wirklich, dank der unzähligen Jäger und Großkampfschiffe. Doch dieser Krieg war Geschichte und vorbei…
Nachdenklich setzte sich der Pilot auf die schmale Liege, die man direkt unterhalb des Fensters an der Wand befestigte hatte. Was man wohl von ihm wollte? Seine Abreise war in aller Eile organisiert worden, er hatte nicht einmal mehr die Zeit gehabt, um sich von den Kameraden auf der Mistral Sea zu verabschieden.
Die gute Mistral Sea…
Ein großartiges Schiff, das zweite Schiff der Midway-Klasse und das erste wirkliche Serienschiff dieses Typs. Etliche Veränderungen hatte man nach den Ereignissen mit den insektenartigen Nephilim eingeführt – obwohl sich beide Schiffe zum Verwechseln ähnlic sahen, hatte man den inneren Aufbau der Mistral Sea sehr stark modifiziert…
Entnervt stand der Pilot wieder auf und ging einige Schritte durch das kleine Quartier. Er hasste es wirklich und zutiefst, warten zu müssen, Geduld war eigentlich noch nie seine Stärke gewesen. Und überhaupt – warum sollte jemand Interesse an seiner Person haben? Er war nur ein einfacher Pilot, trainiert um im Cockpit seiner kleinen F-106A Piranha Aufklärungsflüge durchzuführen. Für einen kurzen Moment hielt er inne. Aufklärungsflüge? Hatte man erneut da draußen etwas gefunden, das die Ruhe der großen Konföderation stören könnte? Waren möglicherweise die Insekten zurück? Zögernd schüttelte er den Kopf. Nein, man hätte sofort sämtliche Flottenteile in Bewegung gesetzt und er wäre mit Sicherheit auf seinem Träger geblieben. Aber was dann?
Ein leises Zischen riss ihn aus seinen Gedanken wieder heraus, er drehte sich in Richtung Tür um und war sichtlich überrascht. Was hatte doch der Offizier vorhin gesagt? „…Der Commander ist bereits auf dem Weg…“
Ein Commander stand dort allerdings nicht in der Tür.
„Darf man eintreten? Tut mir leid, ich vergesse einfach immer wieder, dass wir nicht im Krieg sind. Beim nächsten Mal benutzte ich selbstverständlich den Türsummer. Also, darf ich eintreten?“
„Aber gerne doch, Senator Taggart. Kommen Sie, bitte.“ Innerlich fühlte sich der Pilot regelrecht unwohl in seiner Haut. Derart hohen Besuch hatte er beim besten Willen nicht erwartet. Sein Besucher trat ein, er atmete schwer. Anscheinend machte das Alter dem Mann immer mehr zu schaffen. Senator Taggart warf einen flüchtigen blick durch den Raum, dann räusperte er sich.
„Diese Quartiere werden sich wohl nie ändern, nicht wahr? Klein, unbequem, ungemütlich. Aber genug geplaudert, wir sollten zur Sache kommen.“ Die kurze, irgendwie gekünstelt wirkende Pause tat nicht wirklich gut. Anscheinend suchte der Senator nach einer passenden Überleitung. „Sagen Sie, standen Sie schon einmal einem Kilrathi gegenüber?“ Was für eine seltsame Frage…
„Natürlich nicht. Ich habe den Krieg nicht wirklich erlebt. Und selbst gegen die Neph…“ Doch weiter kam er gar nicht, Senator Taggart schnitt ihm einfach das Wort ab.
„Gut, sehr gut. Dann sind Sie genau der richtige Mann für uns.“ Der richtige Mann? Für uns? Worum zum Teufel ging es hier eigentlich?
„Sir, darf ich offen sprechen?“
„Nur zu.“ Der Pilot holte tief Luft, ehe er begann.
„Was geht hier vor? Haben wir Krieg?“
Senator Taggart schüttelte den Kopf, er wirkte nachdenklich dabei.
„Wir nicht. Die Kilrathi hingegen schon.“
„Die Kilrathi?“ Taggart ging zurück zur Tür, er machte dabei eine einladende Geste.
„Kommen Sie, uns läuft die Zeit davon. Ein alter Freund von mir wird Ihnen alles erklären. Es steht Ihnen danach frei, ob Sie uns helfen möchten oder nicht. Allerdings – wäre ich an Ihrer Stelle, dann würde ich es mir zweimal überlegen. Das können Sie mir ruhig glauben.“ Jetzt verstand der Pilot gar nichts mehr.
„Sir? Ich…“ Wieder wurde er jäh unterbrochen.
„Später. Kommen Sie, die Fähre wartet auf uns.“
*
Die Fähre entpuppte sich als Relikt aus dem großen Krieg. Nun gut, man war in den Grenzwelten unterwegs und große Teile der Flotte vor Ort waren noch immer nicht mit modernen Schiffen ausgestattet worden. Es gab einfach zu viele Kolonien und zu wenig Raumschiffe.
Zwei Tigersharks in den typischen Farben der Grenzweltenmiliz hatten die Eskorte für die Fähre übernommen, eine Maschine flog an der Backbordseite der Fähre und die andere hatte die Führung des kleinen Verbands übernommen. Seit dem Start vor einer halben Stunde hatte Senator Taggart kein Wort mehr gesprochen, er sah teilnahmslos aus dem großen Fenster. Man hatte den beiden Passagieren etwas zu essen und jeweils einen Kaffee gebracht, letzterer war allerdings so stark geraten, dass er ohne Milch kaum genießbar war. Trotzdem quälte sich der Pilot das schwarze Getränk hinunter. Die Stille wurde unerträglich.
„Sir? Wohin fliegen wir?“ Ohne den Blick von den Sternen abzuwenden, gab Taggart Antwort.
„Interessiert Sie das wirklich?“ Ein schnelles Lächeln glitt über die Mundwinkel des Piloten.
„Ich bin Pilot und fliege daher nur sehr ungern ohne eine vernünftige Kursangabe durchs All. Sie verstehen das sicherlich, immerhin saßen Sie ja auch einmal hinter dem Steuer eines Jägers.“
„Allerdings.“ Taggart schenkte seinem Gesprächspartner einen schnellen Blick, dann wanderte seine Aufmerksamkeit wieder nach draußen. „Wir fliegen ins Territorium der Katzen. Aber das müssten Sie eigentlich bereits wissen. Oder hat man inzwischen das Erkennen von bestimmten Sternkonstellationen aus den Lehrstunden der Akademie gestrichen?“ Der Tonfall am Ende des Satzes wurde seltsamerweise schärfer. Okay, er wollte es wohl wissen…
„Wir sind in Ymir gestartet. Geht man jetzt von diesem Stern dort aus, man fliegen wir in Richtung Hawkins. Richtig?“
„Gut zu wissen, dass Ihre Generation es noch kann. Unser Ziel ist Dhollas.“
„Dhollas?“
„Warten Sie es einfach ab, mein junger Freund. Warten Sie einfach, nur etwas Geduld. Wenn dies hier so funktioniert wie es von uns geplant wurde, dann dürfte nichts schief gehen. Einverstanden?“ Nein, eigentlich würde sich Taggarts Gegenüber nicht mit einer solchen Floskel zufrieden geben. Aber Taggart war eine Person, die er zu respektieren hatte. Außerdem hatte der alte Herr mehr Abschüsse auf seiner Liste als er…
„Sie wollen es mir nicht sagen, oder?“
„Nicht hier, nicht an Bord dieses Schiffes und schon gar nicht im Raum der Konföderation oder der Grenzwelten. Es steht einfach zu viel auf dem Spiel.“
Ein helles, kurzes Licht hüllte die Fähre ein – man hatte den Sprungpunkt erreicht…
*
 

Deacan

Commodore
part II

Dhollas.
Kein einziger bewohnbarer Planet im gesamten System. Es gab hier etliche Bergbausiedlungen, aber der Großteil davon war seit Jahren schon stillgelegt worden. Während des Krieges hatten die Kilrathi das System intensiv als Truppenaufmarschgebiet genutzt, damals flogen Transportschiffe im Minutentakt hier durch. Jetzt war es gespenstig still…
Die beiden Tigersharks stoppten ihren Flug abrupt, kaum das sie den kurzen Sprung durchgeführt hatten und die alte Fähre kam zwischen den Jägern zum Stillstand.
Jemand öffnete eine Sprechverbindung zur Kabine der Fähre, es war einer der beiden Piloten aus den Begleitmaschinen draußen.
„Zielgebiet erreicht, Sir. Wir warten jetzt auf weitere Befehle oder einen neuen Kurs. Bitte bestätigen Sie.“ Senator Taggart richtete sich etwas auf, er schien draußen nach irgendetwas zu suchen. Er betätigte die Gegensprechanlage auf dem kleinen Klapptisch.
„Sie können umkehren. Vielen Dank für die Eskorte.“ Etwas irritiert kam eine Antwort über Funk.
„Sir? Sind Sie sicher? Das ist unsicheres Gebiet.“
„Sie haben Ihre Befehle, also verschwinden Sie von hier. Sofort. Senator Taggart Übertragung Ende.“ Unschlüssig sah der Pilot in seiner Tigershark auf das kleine Transportschiff zu seiner Rechten. Im Falle eines Angriff hätte die Besatzung keine Chance, weder zur Flucht noch Gegenwehr standen hier zur Debatte. Aber ein Befehl war nun einmal ein Befehl und sein kommandierender Offizier hatte ihn und seinem Flügelmann vor dem Start ziemlich lautstark klargemacht, dass man allen Befehlen des Senators Folge zu leisten hatte. Widerwillig gab der Pilot etwas Schub auf die Treibwerke seiner Maschine.
„Verstanden Sir. Eskorte verlässt das Gebiet, Sie sind jetzt auf sich allein gestellt. Viel Glück da draußen.“ Ein kurzes Klicken kam noch über Funk, dann verstummte die Anlage fürs erste…
Taggart sah jetzt zum ersten Male etwas intensiver in das Gesicht seines Gastes. Dieser Mann dort auf dem alten, lederbezogenen Sitz war wirklich noch sehr jung, vielleicht Anfang Dreißig. Er war – wie eigentlich fast alle Piloten – nicht sonderlich groß, er trug langes, dunkles Haar, das mittels einer einfachen Spange zusammengehalten wurde. Lange Haare… Zu Zeiten Taggarts hätte es ein solches äußeres Erscheinungsbild wohl kaum gegeben, viele Geschwaderführer waren in solchen Dingen eher unerbittlich. Aber heute… Egal, es kam auf die Fähigkeiten des Mannes an und nicht auf sein Aussehen. In den vergangenen Tagen hatte sich Taggart sehr intensiv mit der Akte des Piloten beschäftigt. Ulysses Hawke, Geschwaderführer an Bord der Mistral Sea. Über sechzehn Belobigungen, einer der besten Aufklärungspiloten in der gesamten Flotte. Der Großteil der Piloten der Mistral Sea schätzte und vertraute diesem Mann hier blind, er behielt stets einen kühlen Kopf und einen klaren Blick für das, was vor seinem Fadenkreuz passierte. Er war keiner der Adrenalinjunkies, meistens kehrte er zum Träger zurück ohne auch nur eine Rakete abgefeuert zu haben. Er arbeitete immer eng mit seinen Flügelmännern zusammen, mehrere neuartige Manöver gingen ebenfalls auf sein Konto.
„Sir, unsere Eskorte ist soeben gesprungen. Wohin soll es jetzt gehen?“ Die Stimme aus den Lautsprechern gehörte dem Piloten der Fähre und es war nicht schwer zwischen den wenigen Worten einen leichten Anflug von Unsicherheit heraus zu hören. Senator Taggart blieb völlig gelassen, er aktivierte erneut die Kommunikationsanlage.
„Wir warten und bleiben auf unserer jetzigen Position. Halten Sie unbedingt Funkstille ein, wir werden aber in einigen Minuten umsteigen.“
„Sir?“
„Wieso muss ich eigentlich jeden meiner Befehle ständig wiederholen?“ Verärgert unterbrach Taggart die Verbindung zum Cockpit. Dann sah er seinen Gast an. „Fragen?“
„Bekomme ich eine Antwort? Nicht, oder? Also mache ich das, was Sie mir geraten haben und warte.“
„Schön. Eigentlich müssten unsere Freunde jeden Moment hier sein…“
Auf der anderen Seite des dicken Panzerglases begann plötzlich alles zu verschwimmen, etwas tauchte aus dem Nichts auf und kam nur wenige Meter neben der grauen Fahre zum Stillstand… Kilrathi!
 

Deacan

Commodore
part III

Noch ehe die Besatzung im Cockpit der Fähre reagieren konnte, hatte die völlig asymmetrische Corvette der Kilrathi am Rumpf des Kurzstreckentransporters angedockt. Alles lief rasend schnell ab, es wirkte fast so, als hätte die Brückencrew der Corvette so etwas wie Routine im Kapern fremder Schiffe. Eine improvisierte Schleuse diente dabei als Verbindung zwischen dem Großschiff und der Fähre. Eigenartige Geräusche drangen ins Innere der Fähre, fast schon instinktiv griff Ulysses Hawke nach seiner Seitenwaffe, doch Senator Taggart hielt ihn davon ab, die Waffe zu ziehen. Er legte dabei einen fast schon väterlichen Ton an den Tag.
„Nicht nötig, mein Freund. Genau auf dieses Schiff haben wir hier gewartet. Und wir sollten sofort an Bord gehen.“ Etwas Freundliches blitzte für wenige Augenblicke in Taggarts Augen auf. „Dort drüben können Sie mich dann mit Ihren Fragen löchern. Ich weiß zwar nicht, ob Ihnen die Antworten auch gefallen werden, aber manchmal muss man einfach den schwierigen Weg gehen…“ Er zeigte mit der Hand auf das Schott, dann ging er darauf zu. Mit der Faust schlug er zwei- oder dreimal kräftig dagegen und nur Sekunden später wurde sein Klopfzeichen von draußen wiederholt. Just in diesen Moment öffnete sich die schmale Tür zum Cockpit der Fähre, die zweiköpfige Besatzung war nach hinten zum Passagierraum geeilt um zu helfen – sie konnten ja beim besten Willen nicht ahnen, das dieses Zusammentreffen mit den Kilrathi tatsächlich so geplant worden war. Senator Taggart hob beschwichtigend die Hände in Richtung der Cockpitcrew, beide hatten ihre Blaster bereits in den Händen.
„Sir? Wir wurden geentert. Bitte begeben Sie sich ins Heck der Maschine…“
„Aber nein, alles ist in bester Ordnung, hören Sie. Und jetzt stecken Sie Ihre Waffen weg, seien Sie bitte vernünftig. Sofort.“ Die Antwort kam prompt.
„Aber Sir, wir können doch nicht…“ Taggart machte eine schnelle Handbewegung, man konnte jetzt hören, das sich jemand an dem Öffnungsmechanismus der Außentür zu schaffen machte.
„Ich sage es nicht noch einmal, die Waffen runter. Oder wir gehen alle drauf, verstanden?“ Zischend öffnete sich die Tür und jeder an Bord der Fähre konnte jetzt in den pechschwarzen Verbindungskorridor sehen – sonst sah man nichts. Kein Empfangskomitee, kein Kilrathi, kein Mensch. Trotz der bedrohlichen und auch irgendwie unheimlichen Situation behielt Senator Taggart die Ruhe, er legte etwas Freundliches in sein Gesicht. „Gehen wir, Pilot.“ Hawke war sichtlich unentschlossen, das hier ging für seinen Geschmack viel zu schnell, doch der Senator ließ ihm keine Zeit für Grübeleien. „Ich weiß, ich weiß – es wirkt völlig absurd und konfus. Aber bitten glauben sie mir, wenn ich Ihnen versichere, das es notwendig ist.“
„In Ordnung. Nach Ihnen.“ Ulysses Hawke hatte in der Vergangenheit eines gelernt – vertraue auch deinem Gefühl. Irgendetwas war geschehen oder irgendetwas würde noch geschehen…
Taggart sah ein letztes Mal auf die beiden Männer aus dem Cockpit der Fähre, er räusperte sich laut.
„Sie werden hier auf unsere Rückkehr warten. Wenn wir in einer Stunde nicht zurück sind, dann fliegen Sie ohne uns ab. Haben Sie das verstanden?“ Ein stummes Nicken kam als Antwort zurück, während Taggart und sein Gast im Dunkel des Korridors verschwanden.
Die Luft war stickig und staubtrocken. Gedämmtes Licht von leicht bläulicher Farbe kam von einer winzigen Lampe, die man in die stählerne Deckenkonstruktion eingelassen hatte. Und etwas lag in der Luft, ein bizarres Geräusch, das an kranken und schmerzhaften Atmen erinnerte. Jemand bekam hier kaum noch Luft.
„Willkommen.“ Hawkes Nackenhaare stellten sich auf, als er diese Stimme hörte. Sie klang überhaupt nicht menschlich und hatte einen knurrenden Unterton. Auf Taggarts Stimmung schien diese kurze Begrüßung keinerlei Einfluss zu haben, mit routinierter Ruhe und Gelassenheit ging er auf die Stimme zu.
„Es ist lange her. Und wie ich sehe, ist die Zeit auch an dir nicht spurlos vorüber gegangen. Nicht wahr?“ Der Pilot hatte Mühe, aus den vielen Schatten und Umrissen direkt vor seiner Nase etwas heraus zu sehen, dann aber gewannen einige Konturen im Halbdunkel des Raumes plötzlich an Schärfe. Das Wesen war keinen Meter von ihm entfernt, es war aber garantiert über zwei Meter groß. Helle, leuchtende Augen von intensiver gelbgrüner Farbe schienen jede seiner Bewegung zu fixieren. Das dort waren die Augen eines Jägers…
„Ja, die Zeit, die Zeit… Wir alle kämpfen einmal dagegen an und werden dann früher oder später verlieren. Ist er das?“
„Ja, das ist er. Mister Hawke, darf ich Ihnen Melek vorstellen? Derzeitiger Führer des Rates der Kilrathi und gewählter Sprecher des kilrathischen Volkes.“ Melek? Hawke hatte bislang nur von dieser Kreatur gehört, er kannte viele Geschichten rund um diesen einen Kilrathi. Während des Krieges war Melek an Grausamkeit kaum zu überbieten gewesen, unzählige Schauprozesse gingen auf sein Konto. Nach der Zerstörung der Heimatwelt der Katzen änderte sich das Blatt schlagartig, aus dem Boten des Schreckens wurde ein lammfrommer Politiker. Vielen Menschen fiel es schwer, diese Wandlung zu glauben. Und doch – Melek galt als Garant für Ruhe und Sicherheit. Zumindest bis jetzt…
„Ich muss mich für mein Auftreten entschuldigen, aber hätte ich die üblichen diplomatischen Kanäle für ein solches Treffen benutzt, dann wären die Probleme für einige Zeit untergetaucht. Oder aber Sie und der Senator wären niemals hier lebend angekommen. Ich habe dieses System komplett abriegeln lassen, damit wir ungestört einige Worte wechseln können. Aber wir haben Krieg.“ Langsam begann die bedrohliche Aura des Kilrathi zu verschwinden. Hawke sah jetzt einen alternden und müden Kilrathi vor sich stehen. Jeder Atemzug der Katze schien unsägliche Schmerzen zu verursachen, immer wieder schloss Melek seine großen Augen und schien für einige Sekunden die Stille des Raumes zu genießen.
„Senator Taggart hat etwas in der Art bereits angedeutet. Geht das etwas konkreter?“ Die Grimasse des Kilrathi kam einem Lachen sehr nahe.
„Menschen, immer gleich mit der Tür ins Haus fallend. Aber nun gut, Sie müssen einiges verstehen lernen. Und ich weiß leider nicht, ob ich die richtigen Worte finde.“
„Versuchen Sie es einfach.“ Melek holte kurz tief Luft.
„Meine Gesellschaft steht kurz vor der Auslöschung. Wir bekommen kaum noch Kinder, ein jeder von uns hat Angst davor, seinem Nachwuchs keine Zukunft mehr bieten zu können. Die Zerstörung Kilrahs war erst der Anfang. Dann kamen die Nephelim… und das Sterben ging weiter. Jetzt haben wir einen Punkt erreicht, an dem wir uns scheinbar an Alles und Jeden klammern, der uns Rettung verspricht.“ Hawke verstand nicht, was Melek damit zum Ausdruck bringen wollte, doch Zeit zum fragen blieb ihm nicht. „Es ist schwer zu verstehen, aber ich denke, ich kann es verständlich machen. Vor einigen Jahrhunderten wurde jeder Mensch, der von sich behauptete, einen Außerirdischen gesehen zu haben, als Irrer oder Kranker bezeichnet. Richtig? Aber was passierte, wenn jemand einen Gott gesehen oder gar gesprochen hatte? Kein Irrer, kein Kranker. Aber möglicherweise der nächste Messias. Jetzt stellen Sie ein Volk vor, tief mit seiner Religion verwurzelt, heimatlos, ratlos, allein. Würde dieses Volk nicht nach jedem Strohhalm greifen, der sich bietet?“
„Was ist passiert?“
„Irgendwo tief im alten Reich ist ein so genannter Seher aufgetaucht, ein Kiralthi, der angeblich Schriften der alten Propheten neu interpretiert hat. Wir dachten immer, dass mit dem Verlust von Kilrah alles ein Ende gefunden hätte, aber dieser Kilrathi lehrt etwas anderes. Laut seinen Worten haben wir eine Zukunft. Doch nicht im Diesseits, sondern nur im Jenseits. Verstehen Sie mich?“ Nur mühsam konnte der Pilot die Worte des Kilrathi zu einem Schema zusammenfügen. Planten die Katzen etwa einen groß angelegten Massensuizid? Eine absurde Vorstellung…
„Ich kann Ihnen folgen, ja. Aber was haben wir damit zu schaffen?“
„Ich kann keine detaillierten Angaben zu den Prophezeiungen machen, aber es scheint so, als müssten sich die Kilrathi zunächst von allen fremden Einflüssen befreien, bevor sie für das Jenseits bereit sind. Im Klartext heißt das, jeder Kilrathi der Kontakt zu euch Menschen hatte, muss sterben.“ Taggart mischte sich in das Gespräch ein, seine Stimme klang unsicher.
„Dies ist nichts weiter als eine indirekte Kriegserklärung gegen den gewählten Rat der Kilrathi. Bedauerlicherweise wissen wir nicht, wer tatsächlich dahinter steckt. Melek vermutet eines der größeren Häuser. Er kann aber nicht auf den üblichen Weg um Hilfe bitten.“
„Ich würde als Verräter der eigenen Spezies angesehen werden, besonders natürlich von den Anhängern dieses seltsamen Sehers. Die Kilrathi würden sofort und ohne zu zögern gegen die Menschen vorgehen und Sie müssten eigentlich wissen, dass Zehntausende von ihnen bereits unter uns leben. Ohne die Unterstützung von euch Menschen würden wir möglicherweise gar nicht mehr existieren, aber diese Tatsache wird von vielen aus meinem Volk ignoriert.“
„Und weiter?“
„Wir haben auf einer unserer Kolonien die Trinkwasserversorgung sabotiert. Die Reserven vor Ort reichen für etwas mehr als vierzig Tage. Hilfe können wir nicht leisten, aber die Grenzwelten besitzen einige ältere Aufbereitungsanlagen, die sie entbehren können. Diese Maschinen werden in unser Territorium geflogen und ich gehe davon aus, das die Anhänger dieser, ich möchte sie einmal schlicht und einfach als Sekte bezeichnen, versuchen werden, die Transporter abzufangen. Wenn das passieren sollte, dann hat die Konföderation das Recht, eine bewaffnete Eskorte zu entsenden und die Angelegenheit zu untersuchen. Und ich wiederum kann eine Abstimmung im Rat vornehmen lassen, um den Angriff auf die Transporter zu verurteilen und über die Schuldigen zu richten. Diese Abstimmung wird mir zeigen, wer noch auf meiner Seite steht und wer mit dieser Sekte sympathisiert.“
„Sie vergiften das Wasser Ihrer eigenen Leute, nur um eine Sekte zu enttarnen?“ Erneut ergriff Taggart das Wort.
„Diese Sekte läutet das Ende der Kilrathi ein. Erst werden sie ihr eigenes Volk abschlachten und wer danach noch aufrecht stehen kann, der wird bis zum Letzten gegen uns kämpfen.“
„Kämpfen? Womit denn bitteschön?“
„Ihr Freund ist offenbar der Auffassung, dass wir keinerlei Waffen mehr zur Verfügung hätten. Dies ist jedoch so nicht richtig. Jedes größere Haus wäre theoretisch in der Lage, Raumschiffe herzustellen. Produktionsanlagen gibt es nahezu überall im alten Reich, viele sind zwar stillgelegt, könnten aber binnen kürzester Zeit reaktiviert werden. Der Rat kann nicht alles kontrollieren, vieles geschieht direkt hinter unserem Rücken. Die Technik ist veraltert, ja. Aber selbst eine Dralthi kann gefährlich sein, wenn sie nicht alleine unterwegs ist. Gerade Sie müssten das wissen, immerhin waren Sie doch einer der Piloten, die von der TCS Midway aus gegen den Piratenclan im Valgard-System gekämpft hatten. Das war kurz vor Ihrer Versetzung zur Mistral Sea. Richtig?“
„Sie wissen davon?“ Melek nickte zustimmend.
„Allerdings. Senator Taggart hat mich davon in Kenntnis gesetzt. Und ehrlich gesagt war das der ausschlaggebende Punkt für mich, Sie zu uns zu holen. Ich brauche da draußen keinen hasserfüllten Menschen, der einfach nur auf jeden Kilrathi feuert. Sie sind ein Mensch der Nachkriegszeit, ein Mensch ohne persönliche Verluste. Und die Leute scheinen Ihnen zu trauen. Sie werden hier draußen mein Auge und mein Ohr sein. Sehen Sie es einfach als ersten Stein zur Erneuerung der kilrathischen Gesellschaft. Das lose Band zwischen unseren Völkern darf nicht zerrissen werden. Und ich würde gerne meine Kinder in Frieden aufwachsen sehen.“


PS: I hope you enjoy this so far...

Deacan
 

Deacan

Commodore
part IV


Solche Worte ausgerechnet von einen Kilrathi zu hören…
„Also kehre ich zur Mistral Sea zurück? Und warte…“ Taggart unterbrach Hawkes Redefluss.
„Nein. Die Mistral Sea und ihre schweren Geschwader sind keine so gute Idee, genauso wenig wie die anderen Megacarrier. Wenn wir mit Vampire oder Pantherjägern ins Gebiet der Kilrathi einmarschieren, dann würde man uns im besten Falle als Besatzungsmacht ansehen. Wir hatten schon während der Invasion der Nephelim erhebliche Probleme mit den Katzen, es gab unzählige Proteste. Zum jetzigen Zeitpunkt können wir solche Reaktionen nicht gebrauchen. Aber wir haben einen Alternativplan bereits in der Tasche. Wir werden die TCS Saipan einsetzen.“ Der Name Saipan erzeugte im Kopf des Piloten nur ein riesiges Fragezeichen. Vor etlichen Jahren gab es innerhalb der Flotte einmal ein Schiff mit diesen Namen, es war eigentlich mehr ein Transportschiff für Marines gewesen und weniger ein Trägerschiff. Offenbar hatten die Ingenieure in den heimischen Werften etwas völlig Neues entwickelt oder aber sie hatten in aller Eile ein älteres Schiff modifiziert.
„Wieso weiß ich eigentlich nichts von einem Schiff namens Saipan?“ Auf Taggarts Lippen tauchte ein überlegendes Lächeln auf.
„Darüber reden wir später noch. Im Augenblick müssen Sie nur eines wissen, jeder Schritt unsererseits ins Territorium der Kilrathi wird von den einzelnen Clans mit Argusaugen beobachtet werden. Ein einziger Fehler von uns oder Melek und die Konfrontation wäre unvermeidlich. Und über die Folgen müssen wir sicherlich nicht reden. Oder?“ Nein, das musste man wirklich nicht, Hawke hatte wie jeder Mensch alles über den großen Krieg in der Schule gelernt. Noch so eine Auseinandersetzung konnte sich keine der beiden Seiten leisten, schon gar nicht jetzt. Es war egal, ob man die neue Bedrohung durch die insektenartigen Nephelim fürs erste gestoppt hatte – sie würden wiederkommen. Jeder noch so kleine Konflikt schwächte die Flotte der Konföderation…
„Das heißt also, dass wir unseren Kopf für Meleks politische Zukunft hinhalten sollen? Einverstanden. Wann geht es los?“ Melek ging einen gewaltigen Schritt auf den jungen Menschen zu, seine Augen schienen fiebrig zu glänzen.
„War das, was ich soeben von Ihnen hören musste Enthusiasmus oder war es nur das, was Ihr Menschen als Sarkasmus bezeichnet? Es fällt mir immer noch sehr schwer, das zu unterscheiden.“
„Weder noch. Ich sehe das Ganze als Befehl. Ich verstehe durchaus die Hintergründe und ob diese für mich moralisch vertretbar sind steht hier nicht zur Debatte, damit müssen Sie und Senator Taggart fertig werden. Wie gesagt, ich habe einen Befehl erhalten und ich werde mein Möglichstes tun, um diesen Befehl umzusetzen. Das ist eigentlich auch schon alles. Kein Sarkasmus.“ Meleks Gesichtszüge blieben unverändert, er fixierte noch immer sein kleineres menschliches Gegenüber.
„Und Enthusiasmus?“ Doch Hawke blieb kühl und gelassen.
„Kein Mensch brennt darauf, zu kämpfen. Pflichterfüllung, mehr ist es nicht.“ Taggart ging auf Melek zu, er streckte dem Kilrathi für Hand entgegen.
„Dann wäre vorerst alles geklärt. Ich versorge unseren jungen Freund mit den notwendigen Details. Und jetzt sollten wir gehen.“ Melek griff nach der Hand des Senators, die komplett in der riesigen Pranke des Kilrathi verschwand.
„Gut. Ich hoffe, dass sich unsere Wege wieder kreuzen werden, beim nächsten Male vielleicht unter besseren Umständen. Und Sie, junger Mensch…“ Melek hielt kurz inne, er schien wohl nach Worten zu suchen. „Sie sollten noch eines wissen. Mein Herz blutet beim bloßen Gedanken daran, dass durch meinen Entschluss erneut Kilrathi in den Tod gehen werden. Aber der Krieg muss auch für uns einmal ein Ende finden. Schenken Sie uns eine Zukunft, nein – schenken Sie meiner Familie, meinen Kindern eine Zukunft. Mehr verlange ich nicht.“

*

„Ich lasse Ihnen Ihr Gepäck von der Mistral Sea hierher bringen, kein Problem. Die BWS Europe wird in etwa zwei Stunden hier eintreffen, möchten Sie eventuell vorher noch etwas essen? Ich könnte Ihnen etwas bringen lassen, Sir.“ Der Kadett war höchstens achtzehn Jahre alt, allerdings sah er sogar irgendwie so aus, als hätte er bei der Alterangabe zum Eintritt in die Marine kräftig geschummelt. Ulysses Hawke schüttelte energisch den Kopf.
„Nein, trotzdem vielen Dank. Melden Sie mir einfach die Ankunft der Europe, mehr verlange ich nicht. Sie können wegtreten.“
„Ja Sir.“ Nach einer schnellen militärischen Grußgeste verschwand der Kadett durch die Tür und Hawke war wieder allein. Der Rückflug zur Station verlief reibungslos, unterwegs wurde er von Senator Taggart mit zusätzlichem Material nur so überschüttet. Für den Transfer zur Saipan hatte man die BWS Europe bestimmt, einen kleinen Uraltzerstörer der Sheffield-Klasse. Die Grenzwelten hatten diese Schiffe in geraumen Mengen von der Konföderation gekauft und sie würden wohl noch für die kommenden Jahre ein fester und wichtiger Bestandteil der Flotte bleiben.
Hawke griff nach einem Stuhl und nahm darauf Platz. Dann langte er in die Innentasche seiner Pilotenjacke, zum Vorschein kamen einige Dokumente, die er von Taggart erhalten hatte. Eigentlich pflegte der Senator alle Daten auf einfache und bequeme Weise via Datenstrom zu übertragen, doch diese Daten hier waren offenbar zu sensibel, um sie einmal quer durch die gesamte Konföderation und Teilen der Grenzwelten zu schicken. Tatsächlich war es ein Brief von Melek, den dieser nur wenige Tage zuvor direkt an Taggart geschrieben hatte. Außerdem fanden sich noch einige Seiten Papier zur Saipan und ihrer Crew inmitten der einzelnen Dokumente. Und gerade diese Seiten waren mehr als nur interessant…
 

Deacan

Commodore
part V

Ursprünglich hatte der Senat der Konföderation den Bau von zehn Tragerschiffen der Midway-Klasse genehmigt, mittlerweile waren aus den zehn Schiffen jedoch zwölf Einheiten geworden. Weitere vier Einheiten würden in den kommenden zwei Jahren zumindest als Rahmenkonstruktion fertig gestellt werden, um im Ernstfall innerhalb von knapp vier Monaten komplett ausgerüstet und einsatzfähig der Truppe zugeführt zu werden. Es gab einigen Tumult um diese Einheiten, die Auseinandersetzungen mit den Nephelim jedoch zwangen die Regierung zum handeln.
Die TCS Saipan war das letzte Schiff der Midway-Klasse und das erste mit einer echten Spezialaufgabe. Von außen her unterschied sie sich überhaupt nicht von ihren Schwesterschiffen, aber man hatte dieses Schiff mit Blick auf ausgedehnte Rettungsmissionen gebaut. Durch das Verkleinern der Hangars und der Wartungsboxen erhielt man zusätzlichen Raum für Passagiere. Die Treibstoffvorräte der Saipan waren ebenfalls vergrößert worden, im Gegenzug wurden die auf dem Schiff stationierten Einheiten deutlich verkleinert. Im Normalfall sollte die Saipan zusammen mit einem anderen Schiff der Midway- oder der Vesuvius-Klasse ins Krisengebiet fliegen und dort Unterstützung leisten, zumeist in Form von Aufklärungsmissionen, um Transportschiffe zu eskortieren oder um ähnliche Aufgaben zu erledigen. Damit reduzierte man die Aufgaben des eigentlichen Teams und ermöglichte auf diese Art und Weise der Hauptstreitmacht, ihre Kräfte vollständig aufs eigentliche Ziel zu konzentrieren. Aus schweren Gefechten sollte sich die Saipan nach Möglichkeit heraus halten.
Es gab drei Geschwader auf der Saipan – zwei leichte und ein schweres Geschwader. Vampires oder Panthers suchte man vergeblich, insgesamt standen dem Schiff 120 leichte Jäger vom Typ F-106A Piranha und 24 TB-80A Devastator Bomber zur Verfügung. Vier Landungsschiffe Typ Hercules, vier Condor-Rettungsschiffe und drei Seahawk Langstreckenaufklärer komplettierten das Arsenal. Unterstützung erhielt man außerdem durch zwei kleine Tankschiffe. Die seltsame Zusammenstellung machte erst auf den zweiten Blick wirklich Sinn – die kleinen Piranhas waren einfach und kostengünstig zu warten, sie nahmen nicht viel Platz in Anspruch und benötigten nur einen Bruchteil des Treibstoffes eines schwereren Jägers. Die Bomber hingegen waren nur als Mittel in absoluten Notfall gedacht und fungierten hauptsächlich eher als Minenleger.
Eine weitere Besonderheit war die Modifikation des Startsystems, man hatte die Anzahl der Transportkräne verdoppelt und somit die Startzeit einer kompletten Staffel nahezu halbiert.
Neue Hochleistungscomputer verbesserten die Zielerfassung und Präzision der Abwehrgeschütze und verbesserte Langstreckensensoren schützten die Besatzung vor bösen Überraschungsangriffen. Die Saipan war eben etwas anders…
Auch die Crewliste war irgendwie anders. Der Großteil der Besatzung war recht jung, kaum einer hatte das vierzigste Lebensjahr überschritten. Der Captain der Saipan war ein Mann namens Davids, zuvor hatte dieser Offizier auf mehreren Zerstörer gedient. Die CAG des Schiffes war eine weitere Überraschung – Commander Patricia Drake, vormals die CAG der Midway. Senator Taggart hatte sie persönlich für diese Aufgabe angeworben und Commander Drake sagte freundlicherweise sofort zu. Vermutlich war dies für sie eine neue Herausforderung und somit angenehmer und interessanter als der Posten auf dem „neuen“ Flagschiff der Konföderation.
Ulysses Hawke überflog schnell die weiteren Namen auf seiner Liste, hier fand er jedoch niemanden, den er persönlich kannte. Taggart hatte bereits einige Vorschläge für die beiden anderen Geschwaderführer gemacht, Hawke jedoch wollte mit seiner Entscheidung warten, bis er diesen Leuten persönlich von Angesicht zu Ansicht gegenüber stand.
Hawkes Blick wanderte durch das Fenster nach draußen, ein Transporter der Amadeus-Klasse befand sich gerade im Anflug auf die Station. Dann sah er ein letztes Mal auf die Dokumente in seiner Hand.
„Offizielle Klassifikation der Mission: Rettungseinsatz im Territorium der Kilrathi. Geschätzte Dauer der Mission: unbekannt, vermutlich mehr als zwei Monate. Ziel der Mission: Wahrung der freundschaftlichen Beziehungen zu den Kilrathi, Sicherung der Kolonien der Konföderation und der Grenzwelten im Gebiet der Kilrathi, im Ernstfall vollständige Evakuierung aller Menschen aus dem umkämpften Gebiet. Besonderheiten: Feindkontakt nach Möglichkeit vermeiden, Gefechte jeglicher Art vermeiden. Trägerschiff TCS Eisen steht auf Abruf zur Unterstützung bereit, TCS Jupiter wird TCS Saipan ins Einsatzgebiet eskortieren…“
Es las sich alles so einfach. Aber einfach sollte es nicht werden…
 

Deacan

Commodore
part VI

Alles, was man von dem leichten Jäger sehen konnte, war der meterlange Feuerschweif aus dem einzelnen Triebwerk. Die kleine Piranha flog mit Höchstgeschwindigkeit den Zerstörer der Grenzwelten an, um eine positive Identifikation zu erhalten. Eigentlich war das völlig unnötig – die BWS Europe hatte schon vor einer halben Stunde Kontakt zur TCS Saipan aufgenommen, aber auf der anderen Seite war dieser kurze Flug für den konföderierten Piloten eine hervorragende Übung außerhalb der üblichen Routinemissionen. Während der Zerstörer mehr und mehr das Sichtfeld des Cockpits ausfüllte, aktivierte der Pilot seinen Bordfunk.
„Hier ist Eskorte Echo Eins von der TCS Saipan an BWS Europe, bitte behalten Sie Kurs und Geschwindigkeit bei. Ich soll Sie zum Ziel eskortieren. Bitte bestätigen Sie.“ Für einige Sekunden hörte der Pilot nur das typische Rauschen aus dem Mikrofon seines im Helm montierten Headsets, dann aber erklang eine freundliche Stimme.
„Hier BWS Europe an anfliegende Piranha, haben Sie auf unseren Schirmen. Danke für die Eskorte, halten Kurs und Geschwindigkeit.“ Zufrieden sah der Pilot nach draußen, während er an der Backbordseite des Zerstörers entlang flog. Der Zerstörer hatte bereits bessere Zeiten erlebt, die rötliche Farbe war an vielen Stellen bereits verschwunden, schwarze Streifen auf dem Metall des Schiffes sprachen eindeutig dafür, dass es alles andere als friedlich im Gebiet der Grenzwelt war. Piraten, abtrünnige Kilrathis… Hier draußen gab es ständig irgendwelchen Ärger. Und in wenigen Stunden würden auch die Piloten der Saipan mittendrin stecken – doch von alldem konnte der Pilot in seinem Aufklärungsjäger noch nichts wissen.
An Bord des Zerstörers machte man sich daran, den einzelnen Passagier zu wecken.
„Sir? Wir nähern uns der Saipan, eine Fähre ist bereits vom Träger gestartet, Ankunft in fünf Minuten. Zugang über Andockschleuse Zwei, Brücke Ende.“ Ulysses Hawke hob unwillig den Kopf, er hatte die vergangenen zwei Stunden friedlich in einer Kabine des Zerstörers geschlafen. Bequem war es hier nicht, man hatte noch weniger Platz als auf der Station. Und es roch nach alten Öl und scharfen Desinfektionsmitteln. Auf dem Fußboden lagen nur noch spärliche Reste einer grauen Auslegeware, man bezeichnete das Ganze als „Standard Vier“, dieses raue und hautunfreundliche Zeug war vor allem eines: feuerfest. Außerdem überdauerte es jahrelangen Gebrauch, egal wie viele Paar Stiefel auch immer darüber hinweg laufen würden…
Hawke setzte sich aufrecht auf die schmale Pritsche, er griff sich kurz in den schmerzenden Nacken – Kopfkissen gab es an Bord nicht, nur eine harte Nackenrolle, die vermutlich seit dem letzten Krieg in irgendeiner Ecke dieses Schiffes gelegen hatte. Zumindest war die Farbgebung der Nackenrolle mit der des Bodens völlig identisch.
Erneut meldete sich die Stimme aus dem Lautsprecher. „Sir? Bitte bestätigen Sie.“ Hawke stand auf, er trottete zur Tür, dort hatte man die interne Kommunikationsanlage untergebracht. Ein schneller Handgriff genügte und die Verbindung zur Brücke war offen.
„Hawke hier, habe verstanden. Danke fürs Mitnehmen.“
„Jederzeit wieder. Und viel Erfolg auf dem neuen Posten, Sir. Brücke Ende.“ Ein letztes Mal sah sich Hawke in seinem kleinen Reich um, dann griff er nach seiner Tasche und trat durch die Tür in den langen Korridor. Einige Crewmitglieder liefen ihm über den Weg, es war ein ständiges salutieren und freundliches „Hallo“ sagen. Man hatte die Zeiten vergessen, als man sich als Bewohner der Grenzwelten wie ein Bürger zweiter Klasse fühlte und ständig mit neidvollen Augen auf den privilegierten Rest der Menschheit blickte. Gut, man war nach wie nur ein Mensch zwischen rückständigen, kleinen Kolonien, aber man hatte dieselben Aufstiegschancen wie ein Bewohner der Erde. Unterschiede machte niemand mehr, diese Zeiten waren endgültig vorbei.
Als Hawke die Schleuse erreicht hatte, wartete dort bereits ein Pilot in der typischen Uniform der konföderierten Streitkräfte auf ihn. Freundlich begrüßte man einander.
„Sir? Lt. Aaron Edger, ich bin Ihr Pilot zur Saipan. Willkommen in den Grenzwelten.“ Ein schnelles Lächeln huschte über Hawkes Lippen.
„Vielen Dank.“ Da sich Lt. Edger keinen Zentimeter vom Fleck rührte, half Hawke kurzerhand etwas nach, allerdings nur verbal. „Können wir dann? Oder muss ich erst um Genehmigung bitten, um Ihr Schiff zu betreten?“ Sofort wurde Lt. Edger hektisch.
„Verzeihen Sie bitte, Sir. Dies ist mein erster Einsatz so weit draußen, da vergesse ich schon mal die Grundregeln meines Dienstes.“ Edger griff nach Hawkes Gepäck, dann machte er eine einladende Geste. „Kommen Sie bitte, Sir.“
Nur Sekunden später schloss sich mit lautem Zischen das Schott der Fähre und man nahm Kurs auf die Saipan. Eigentlich war diese Fähre eine Condor, eines der Such- und Rettungsschiff der Saipan, allerdings hatte man dieses Modell hier mit einer Passagierkabine ausgestattet. Derartige Schiffe wurden auch vom diplomatischen Dienst und einigen Spezialeinheiten der Marines verwendet, diese Schiffe waren recht schnell und für ihre Größe trotzdem noch recht manövrierfähig. In der Flotte der Konföderation verdrängten diese Schiffe nach und nach die alten Fähren der Alpha-Klasse, die man seit dem großen Krieg nicht weiterentwickelt hatte.

*

Der Flug dauerte keine zehn Minuten, sanft setzte die Fähre in einem der beiden Hangars der Saipan auf.
„Achtung! Captain an Deck!“ Dies waren die ersten Worte, die Hawke wahrnahm, als sich das Schott der Fähre wieder öffnete. Eine kleine Rampe wurde ausgefahren, mehrere Offiziere standen bereits rechts und links vom Shuttle bereit, um den Neuzugang zu begrüßen. Warum betrieb man nur einen derartigen Aufwand? Hawke war nur ein einfacher Commander, nur ein Pilot und kein Held. Er hätte es ja noch verstanden, wenn beispielsweise ein gewisser Todd „Maniac“ Marshall oder ein anderes Fliegerass mit in dieser Fähre gesessen hätte – nur war dies nicht der Fall. Seltsam, sehr seltsam…
„Willkommen auf der Saipan, Commander.“ Eine Frau streckte Hawke die Hand zur Begrüßung aus und befreite ihn somit vom üblichen Zwang des militärischen Grußes. Hawke erkannte diese Frau sofort, er hatte bereits einmal unter ihr gedient. Dies war zwar schon Jahre her, aber vermutlich würde sie das noch wissen.
„Sir, bitte um Erlaubnis an Bord kommen zu dürfen.“
„Erlaubnis erteilt. Schön Sie wieder zu sehen. Ist ja auch schon lange her.“ Hawke teilte jetzt das Lächeln seiner Vorgesetzten, Commander Drake. Die meisten nannten sie einfach nur die CAG.
„Ich muss wohl einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben, oder haben Sie sich nur die meine alten Akten angesehen?“
„Sie waren doch der Pilot, der nach einem Totalausfall der Waffensysteme nur mit Hilfe einer Sturmfeuerkanone etliche Katzen zur Strecke gebracht hat, richtig? Sie flogen damals unter Lt. Talvert auf der Midway. Ihr kleines Kunststückchen hat damals Geschichte geschrieben, Commander. Ich war sehr betrübt, als man Sie zur Mistral Sea abkommandiert hatte. Sie wären mit Sicherheit eine echte Hilfe gegen die Nephelim gewesen. Und? Wie fühlen Sie sich? Oder sollte ich fragen, wie war das Briefing mit Senator Taggart?“ Hawke zog kurz die linke Augenbraue hoch, dann gab er Antwort.
„Nett, wirklich nett. Ich hatte ja keine Ahnung, wie groß so eine Katze sein kann.“ Hawkes Worte lösten bei der CAG sichtliches Unbehagen aus, sie loste ihren Gesprächspartner etwas zur Seite.
„Verstehe ich Sie richtig? Taggart hat Sie mit zum Treffen mit Melek genommen?“
„Aber ja. Warum? Ist das ungewöhnlich?“
„Die Situation scheint schlimmer zu sein als ich dachte, Taggart würde niemals das Risiko eingehen und einen Piloten mit zu einer geheimen Konferenz nehmen. Nicht auszudenken was passiert wäre, wenn eine feindliche Patrouille Sie entdeckt hätte…“ Hawke war sichtlich überrascht, er hakte nach.
„Darf ich offen sprechen, Sir?“
„Aber ja.“
„Was geht da draußen vor? Taggart hat zwar einiges angedeutet, aber wie sieht es tatsächlich in den Kolonien aus?“ Die CAG schien einen Augenblick lang zu überlegen, dann sah sie den Piloten mit ausdruckslosen Augen an.
„Erste Einsatzbesprechung ist in einer Stunde. Dann sehen wir weiter. Fürs erste sollten Sie ihr Quartier in Beschlag nehmen und sich mit dem internen Aufbau vertraut machen.“ Für Hawke war dies keine wirkliche Antwort auf seine Frage, er musste erneut warten. Offenbar war diese Vorgehensweise mittlerweise zur Standardprozedur geworden…
„Natürlich. Also, welche Ebene, welche Quartiernummer?“
„Ebene 3, Quartiernummer 329. Soll Sie jemand führen?“ Hawke lehnte ab.
„Nicht nötig. In einer Stunde dann…“
Commander Drake sah ihren neuen Piloten fragend hinterher, während dieser durch eine Luke verschwand.
„Ja, in einer Stunde. Hoffentlich sind Sie wirklich so gut, Commander Hawke. Hoffentlich…“
 

Deacan

Commodore
part VII

Die CAG drehte sich langsam um, sie sah auf ihren direkten Vorgesetzten an Bord der Saipan – dem Captain – der die Begrüßung des neuen Piloten still und völlig unbeteiligt aus einiger Entfernung beobachtet hatte. Einige Falten tauchten auf seiner Stirn auf, doch die CAG nickte ihm aufmunternd und zustimmend zu. „Sir, ich weiß genau, das er nicht das ist, was wir erwartet haben, aber…“
„Aber was? Ihr Pilot hat mich nicht einmal angesehen, geschweige denn hat er mich in irgendeiner Form begrüßt. Was soll ich da noch von dem Mann halten?“ Captain Davids war sichtlich verärgert, die CAG suchte nach einer Entschuldigung für das Verhalten von Hawke.
„Sir, er wird es ganz einfach überhört haben…“ Doch Captain Davids schüttelte den Kopf und die CAG ahnte bereits, dass Ärger ins Haus stand.
„In einer Stunde werden Sie, teure Freundin, erleben können, wie nahe wir uns tatsächlich stehen, ihr neuer Pilot und ich. Warten Sie es einfach ab.“
„Sie kennen sich?“
„Mehr als das. Aber das ist eine lange Geschichte und ich werde sie Ihnen nicht erzählen, zumindest nicht, wenn es nicht unbedingt sein muss. Hawke arbeitet mit Ihnen zusammen, nicht mit mir. Wenn wir uns einfach aus dem Weg gehen, ist alles bestens.“ Der Captain drehte sich einfach um, er lenkte seine Schritte zurück in Richtung Brücke der Saipan. Die CAG blieb allein vor der Condor stehen.

*

Ebene 3, Quartiernummer 329.
Diesen Ort auf dem Schiff zu finden war nicht wirklich schwer, alle wichtigen Decks waren hervorragend und vor allen deutlich sichtbar gekennzeichnet. Es gab einige Liftsysteme an Bord, der Großteil davon bewegte sich nicht senkrecht, sondern tatsächlich waagerecht durch das Schiff – bei einer Rumpflänge von über 1800 Metern war dies ein Zugeständnis an die Besatzung. Jogging hielt den Techniker oder Piloten zwar fit, aber ein Crewmitglied sollte nicht unbedingt schweißgebadet und außer Atem zur Arbeit erscheinen.
Sämtliche Crewquartiere lagen an der Außenseite des Trägers und fast niemand aus der Besatzung genoss dabei das Privileg eines Fensters. Nicht etwa, das es keine gab – aber man hatte im Krieg gegen die Kilrathi die bittere Erfahrung gemacht, das Fensterflächen sehr empfindlich gegenüber feindlichem Beschuss waren.
Commander Hawke erreichte nach etwa fünf Minuten die Tür zu seinem Quartier, er wollte gerade nach dem Öffnungsmechanismus greifen, als er verblüfft inne hielt. Eigentlich sollte sein Quartier ordnungsgemäß verschlossen sein, aber anscheinend war hier jemand etwas schneller gewesen – der Handscanner an der Tür war aktiv und die Tür selbst war offen. Interessant, sehr interessant…
Leise trat der Commander durch die Tür ins Innere seines Quartiers, deutlich konnte er Geräusche wahrnehmen, die aus seinem Schlafzimmer kamen. Es waren zwei Stimmen…
Mit Schwung öffnete er die Tür und konnte gerade noch sehen, wie sich jemand unter der dünnen Bettdecke versteckte. Dafür aber saß eine zweite Gestalt senkrecht und mit starrem Blick direkt daneben und auch diese Person griff mit rasendschnellen Bewegung nach der Decke, um die nackten Tatsachen zu verhüllen.
„Störe ich euch etwa?“ Keine Antwort, da saß eindeutig ein junger Mann unter der Decke. „Ebene 3, Quartier 329. Richtig`“ Der Mann nickte, seine Gesichtsfarbe wechselte jetzt von aschfahl zu knallrot. Hawke hatte genug gesehen, auf dem Boden neben dem Bett lag eine Pilotenjacke, auf der anderen Seite ein Overall, wie er von einem Mechaniker üblicherweise getragen wird. „Wer steckt da noch drunter?“
Langsam wurde die Decke zurückgeschlagen und zum Vorschein kam eine junge Frau. Ihre langes, welliges Haar war kastanienbraun und bildeten einen interessanten Kontrast zu ihren blauen Augen. „Name?“
„Sir?“
„So heißen Sie nicht. Oder?“ Hawke konnte sich nur mühsam ein breites Grinsen verkneifen.
„Crewman DeSoto, Sir.“
„Aha. Und was tun Sie auf diesem Schiff?“
„Technikerteam Zwei, Sir. Wartung des zweiten Geschwaders.“ Hawke zog die Augenbrauen hoch.
„Na schön. Sie werden jetzt aufstehen, sich anziehen und dann zur CAG gehen.“ Man konnte es der Technikerin regelrecht ansehen – sie wusste genau, dass sie Mist gebaut hatte. Okay, Strafe muss sein…
„Sir, ich muss mich für dieses ungebührliche Verhalten…“ Hawke fiel ihr ins Wort.
„Der CAG sagen Sie dann bitte folgendes, Commander Hawke bittet um ihre Versetzung zum ersten Geschwader und er bittet darum, dass sie seinen Jäger persönlich betreuen. Haben Sie das soweit verstanden, Crewman?“ Irritiert sah DeSoto Hawke an, der aber machte eine eindeutige Handbewegung – raus hier.
Die Technikerin griff sich die Decke, dann langte sie nach ihrem Overall und verschwand durch die Tür nach draußen. Blieb noch einer im fremden Bett übrig…
„Jetzt zu Ihnen. Sie sind also Pilot, ja?“
„Ja, Sir. Mein Name ist Hayes, Lt Hayes. Ich gehöre zur Transportfliegerstaffel.“ Hawke holte tief Luft.
„Lt. Hayes, wenn jemand in ein Quartier einbricht, das eigentlich für Offiziere der Führungsebene reserviert ist, dann ist derjenige entweder äußerst dumm oder sehr von sich selbst überzeugt. Gefällt Ihnen dieses Quartier? Ist geräumiger als der Standard, nicht wahr?“ Lt. Hayes nickte zustimmend. „Ich habe nicht vor, Sie zu melden. Aber tun Sie mir und vor allem sich selbst einen riesigen Gefallen, ja? Machen Sie doch der Kleinen einfach einen netten Antrag und dann werde ich dafür sorgen, dass Sie ein solches Quartier erhalten. Verstehen Sie das jetzt nicht falsch. Wir sind hier nicht mehr familienfeindlich. Also, was fliegen Sie genau?“
„Eine der Condor-Maschinen, Sir.“
„Schön. Ich rette jetzt und hier Ihren Hintern und gehe nicht zur CAG. Und Sie werden dafür meinen Jungs und Mädels da draußen den Hintern retten, falls das einmal nötig werden sollte. Und jetzt raus hier, aber fix.“
„Danke Sir. Es wird nicht wieder vorkommen. Versprochen.“
Während Lt. Hayes seine Sachen vom Boden auf hob und in Richtung Tür marschierte, kontaktierte Hawke über ein Terminal auf seinem Schreibtisch die Servicecrew der Saipan. Sein Wunsch: frisches Bettzeug und einen Kaffee.

*

Noch viel weiter nach Oben konnte man gar nicht fahren, der Lift öffnete leise seine Türen und gab den Blick direkt auf die riesige Brücke frei. Es gab hier zwei Etagen, verbunden über mehrere breite Treppen. Die untere Etage beherbergte die wichtigen Kommandostationen des Schiffes wie Navigation, Kommunikation oder die Arbeitsplätze der taktischen Offiziere. Direkt darüber hatten der Captain, die CAG und andere Führungsoffiziere ihren Platz und zusätzliche Terminals. Der Boden war übrigens durchsichtig, so entging dem Captain nichts, was unter ihm vor sich ging.
„Sir? Commander Hawke meldet sich zum Dienst.“ Die militärische Begrüßung führte der Pilot eher lässig aus, man hätte als Außenstehender vielleicht den Eindruck gehabt, das Commander Hawke nicht richtig bei der Sache wäre. Doch genau das Gegenteil war der Fall, allerdings konnte er sich noch nie so richtig mit dem Drill und der harten Disziplin der Flotte anfreunden. Er erledigte nur seinen Job – strammstehen und freundlich lächeln waren da nur Nebensächlichkeiten und völlig unbedeutend.
„Schön Sie zu sehen, Commander. Und? Nehmen Sie mich jetzt wenigstens wahr?“ Selbst ein Blinder mit Hörgerät hätte sofort erkannt, das Captain Davids eine gehörige Portion Wut im Bauch hatte. Nun gut, er hatte sicherlich jeden Grund dafür…
„Sir, wenn Sie damit auf meine abweisende Haltung vorhin im Hangar anspielen, so möchte ich Ihnen freundlicherweise mitteilen, dass ich Sie sehr wohl registriert habe. Aber ich werde nicht einer Person hinterher laufen, die beinahe meine Zukunft ruiniert hätte. Soweit es mich betrifft, habe ich bislang noch kein Wort der Entschuldigung von Ihnen gehört. Sir.“

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A little question: this is my first story on Wing Commander, I'm more in the Privateer universe...
So I can only hope that his is okay so far? Any mistakes? Or something wrong on my ideas?
(No, this is not a book, it's just a simple funproject I do in my sparetime at night...)

Deacan
 

Deacan

Commodore
part VIII

Der Gesichtsausdruck des Captains blieb gleichgültig.
„Entschuldigen? Bei Ihnen? Warum sollte ich das tun, hm?“ Die CAG verstand nicht, worum es bei der kleinen, verbalen Auseinandersetzung eigentlich ging, aber sie versuchte, etwas von der aufgeladenen Stimmung abzulenken. Vielleicht half ja etwas mehr Sachlichkeit innerhalb der Diskussion dabei, alles in Wohlgefallen aufzulösen.
„Gut, Sie mögen also einander nicht. Einverstanden, aber ich muss als Verbindungsoffizier zwischen den Piloten und natürlich dem Captain wissen, was hier eigentlich läuft. Also, bekomme ich vielleicht ein paar vernünftige Antworten?“ Commander Hawke legte ein bösartiges, ja fast schon diabolisches Lächeln auf.
„Ihr freundlicher Captain hier ist nichts weiter als ein Sadist. Ich hoffe Sie verzeihen mir meine Offenheit, aber ich möchte es einfach nicht in blumige Worte verpacken. Ich sage es so wie es ist. Er war als Lehrkraft auf der Akademie tätig und ich hatte das zweifelhafte Vergnügen während meines letzten Jahres dort einige Stunden unter seiner Leitung arbeiten zu müssen. Er änderte ständig die Regeln, manipulierte Tests im Simulator – natürlich immer zu seinen Gunsten, schließlich wollte er Recht behalten und stets das letzte Wort haben. Im Durchschnitt quittierten fast 30 Prozent der Schüler aus seinen Kursen kurzerhand den Dienst, weil sie seine Beleidigungen nicht länger ertragen konnten. Oder obliege ich da einem Irrtum? Irgendwann wurde es der Akademieleistung zu bunt, die Beschwerden häuften sich, also versetzte man ihn auf einen Zerstörer. Dort blieb er, bis ich zusammen mit einigen Rekruten sein Schiff während einer Übung zu einem Sprungpunkt eskortieren sollte. Doch anstatt zu verschwinden und seine Befehle zu befolgen, simulierte er einen Maschinenschaden, wir durften draußen Wache spielen, während er mit breitem Grinsen zusah, wie uns langsam die Luft ausging. Zwei meiner Flügelmänner hat diese Aktion fast das Leben gekostet, einer war sogar bewusstlos, als er endlich auf der Basis landen konnte. Sie gehören nicht in diese Uniform, Sir. Jeder andere vielleicht, aber definitiv nicht Sie.“
„Wo gehobelt wird, da fallen nun einmal auch Späne, Commander. Wer wenn nicht ein Captain sollte entscheiden, ob ein Rekrut gut genug für den Dienst da draußen ist? Dies ist mein Schiff, Sie sind mir unterstellt, von daher werden wir viel Spaß miteinander haben.“ Hawke reagierte kühl.
„Es tut mir ja leid, Sie korrigieren zu müssen, aber dies ist nicht Ihr Schiff, sondern ein Schiff der Konföderation. Und ich bin nicht Ihnen unterstellt, sondern der CAG. Sie allein bewertet meinen Dienst, Sie allein erteilt mir Befehle. So und nicht anders steht es in meinen Transferpapieren. Vielleicht sollten Sie sich diese Dokumente einmal näher ansehen, bevor Sie hier Ihre Muskeln spielen lassen, Sir.“ Hawke blickte aufmerksam in die Augen des Captains, der aber winkte nur verächtlich ab.
„Gut, Sie haben also einen, sagen wir einmal, Spezialauftrag. Schön, damit muss ich wohl leben. Aber letzten Endes sind auch Sie von mir abhängig. Denn ich kommandiere dieses Schiff hier, ich entscheide darüber, ob die Saipan auf Sie warten wird, während Sie auf einer Mission sind.“
„Drohungen standen Ihnen noch nie sehr gut zu Gesicht, Sir. Erst recht dann nicht, wenn sie völlig leere Versprechungen sind. Sie müssten schon die CAG aus dem Wege räumen, ehe jemand an Bord der Saipan einen derartigen Befehl in die Tat umsetzten würde. Habe ich da nicht Recht?“ Hawke wechselte die Blickrichtung vom Captain zur CAG. Die führte das Gespräch fort.
„Gut, stellen wir mal kurz alle Kritik beiseite, okay? Wir sind hier um den Kilrathi zu helfen, mehr interessiert mich persönlich nicht. Ich verspreche Ihnen eines, ich behalte Sie im Auge. Sie beide, verstanden?“ Das Schweigen der beiden anwesenden Männer war eindeutig, hier war das letzte Wort noch lange nicht gesprochen worden. „Na schön. Senator Taggart hat mir vor gut einer halben Stunde erstes Material geschickt. Die Grenzwelten bereiten drei Transportschiffe der Amadeus-Klasse vor, die zur Unterstützung unserer Kolonie auf Tsahl starten werden. Die ganze Sache beginnt im Mylon-System, wir erwarten erste Berichte in etwa 48 Stunden. Bis dahin gilt für das gesamte Schiff erhöhte Alarmbereitschaft, unsere Eskorte, die TCS Jupiter, müsste in einigen Stunden hier eintreffen. Fragen, Commander?“ Hawke dachte kurz nach.
„Mit welchem Widerstand müssen wir rechnen?“
„Gute Frage. Dies ist eine der großen Informationslücken, die wir noch haben. Der Geheimdienst spricht von leichten Jägern der Katzen im Zielgebiet, was auch immer das bedeuten mag. Frage beantwortet?“
„Eigentlich nicht. Aber ich muss mich wohl damit zufrieden geben. Aber eine andere Sache ist da noch offen. Was stimmt nicht mit den Katzen? Und was hat es mit dieser religiösen Bewegung auf sich, wie viel Macht kann diese Gruppe tatsächlich ausüben? Wissen Sie da vielleicht genaueres?“ Während die CAG eisern schwieg, legte sich Captain Davids einige Worte zurecht.
„Auch wenn es Sie überhaupt nichts angeht, Pilot – Sekten bei den Katzen sind nichts Neues. Das gab es schon während des Krieges und die Gesellschaft der Kilrathi hat nur bis zum heutigen Tage überlebt, weil man sich an alte Schriften klammert, als gäbe es kein morgen mehr. Im Tsahl-System sind urplötzlich hunderte Kilrathi verschwunden, spurlos. Etwa eine Woche zuvor gab es vermehrte Feindseligkeiten zwischen unseren Kolonisten und den Katzen vor Ort. Wir wissen nicht, was geschehen ist, der Kontakt ist nur noch sehr spärlich vorhanden. Der Statusreport, der alle 2 Tage vom Planeten abgeht, spricht von tiefer Ruhe und Glücksseeligkeit. Außerdem ist irgendetwas mit den Trinkwasservorräten und den Brunnenanlagen passiert, es hieß in einer Mitteilung, dass man erhöhte Werte von etlichen giftigen Verbindungen im Wasser gefunden hat. Da ist etwas faul, keine Frage. An eine natürliche Ursache glauben wir nicht.“
„Sonst noch etwas, Sir?“ Die CAG schüttelte den Kopf.
„Mehr wissen wir auch noch nicht. Ruhen Sie sich aus und lernen Sie Ihr Geschwader kennen. Einverstanden?“
„Einverstanden.“
„Sie dürfen wegtreten.“
 

Deacan

Commodore
part IX

*

Die Wartungshalle erstreckte sich über mehrere hundert Meter, eigentlich reichte sie durch das ganze Schiff. Genauer gesagt gab es gleich zwei völlig baugleich Hallen an Bord der Saipan, jede endete entweder in Richtung Bug in den drei Startröhren oder aber in Richtung Heck in den Landebuchten. An der Decke der Halle schlängelte sich ein wahres Netz aus Stahlschienen durch das gesamte Schiff, spezielle daran befestigte Kräne hoben die Jäger bei Bedarf aus den Wartungsboxen und transportierten sie zu den Startröhren. Das übliche Radfahrwerk gehörte der Vergangenheit an, sämtliche Jäger standen auf kleinen Kufen und warteten auf ihren Einsatz.
Ulysses Hawke tat genau das, was die CAG ihm geraten hatte, er „ruhte“ sich aus und lernte nebenbei sein Geschwader kennen. Allerdings ging er die ganze Sache eher unkonventionell an, er begann mit den untersten Gliedern des riesigen, militärischen Apparates namens Saipan – und das waren die Techniker und die unzähligen Helfer der Servicecrew an Bord. Die Besatzung musste schließlich auch essen und schlafen. Viele Hände versorgten die kämpfende Truppe mit sauberer Wäsche, mit frischen Kaffee oder einfach nur mit Unterhaltung – es gab eine Bibliothek, einen Multimediaraum und mit Sicherheit sogar eine Bäckerei an Bord. Zumindest hatte Hawke die ganze Zeit über den Duft von frischem Brot in der Nase. Viele Leute arbeiteten zurzeit nicht in der Wartungshalle, aber eine Person erkannte er sofort wieder, man war sich bereits über den Weg gelaufen.
„Crewman DeSoto?“ Hawke konnte sich einen kleinen, bissigen Kommentar nicht verkneifen, als die Technikerin sofort alles liegen ließ und militärische Haltung annahm. „So sehen Sie also im Overall aus, interessant, interessant.“
„Sir! Kann ich Ihnen vielleicht helfen?“ DeSoto versuchte peinliche Pausen zu vermeiden – einige ihrer Teamkollegen sahen ihr nämlich hinterher.
„Das können Sie durchaus. Wo steht mein Jäger? Gibt es schon eine Zuweisung?“ DeSoto nickte, sie zeigte auf eine Maschine, die etwa fünfzehn Meter entfernt stand.
„Diese wurde für Sie bereitgestellt.“ Hawke ging auf die Piranha zu und nahm das Schiff in Augenschein. Ein komplett fabrikneues Stück Technik, vermutlich hatte das Schiff nur eine kurze Probestrecke zurückgelegt. Tödliche Effizienz in eleganter Form…
„Sehr schön. Sie können dann meinen Namen auf die Bordwand schreiben lassen, verstanden?“
„Natürlich Sir. Also Commander Ulysses Hawke… Und Ihr Rufzeichen?“
„Falcon.“ DeSoto machte sich eine kurze Notiz auf einem Datenpad, das sie aus einer Tasche ihres Overalls hervor geholt hatte. „Weiß die CAG über Ihre Versetzung schon Bescheid?“
„Ja Sir. Sie war etwas… Nun ja, sie war ziemlich verwundert, aber sie stellte keine weiteren Fragen. Kann ich sonst noch etwas…“ Hawke fuhr ihr mitten ins Wort.
„Ja. Begleiten Sie mich ein Stück.“
„Sir?“
„Ich möchte gerne noch einen Blick in einige weitere Bereiche der Saipan werfen. Waffenmagazin, Krankenstation, die Messe… Also, wie sieht es aus? Begleiten Sie mich?“
„Gerne. Folgen Sie mir einfach.“

*

„Das Waffenmagazin, bitte sehr, Sir.“ DeSoto blieb vor einer unscheinbaren, grauen Tür stehen und aktivierte mittels Handabdruck den Öffnungsmechanismus. Zur Überraschung des Piloten gab es keinen riesigen Aufzug hinter dem Tor, sondern nur einen langen Korridor, der zu beiden Seiten verglast worden war. Eigentlich war Hawke sich sicher, dass er die internen Pläne der Saipan genauestens studiert hatte – offenbar hatte er einige Bereiche etwas zu schnell überflogen.
„Kein Aufzug?“ DeSoto schüttelte energisch den Kopf, sie wies mit der Hand auf die Räume jenseits des Panzerglases.
„Ein völlig neues und voll automatisiertes System. Sehen Sie? Die benötigte Munition wird über ein Transportband und durch mehrere gepanzerte Schächte zu den Wartungsboxen befördert, der personelle Aufwand ist sehr gering. Außerdem schützt dieses System die Crew nachhaltig. Wenn Sie fragen würden, dann würde ich nur eines dazu sagen – es wurde auch Zeit. Unfälle sind zwar nicht die Regel, aber… Darf ich offen sprechen?“ Hawke nickte. „Ich habe mal gesehen, wie eine Dumpfire mitten auf dem Flugdeck hochgegangen ist. Sechs Verletzte, zwei davon schwer. Und alles nur, weil diese alten Rollwagen dem Gewicht nicht immer gewachsen waren.“
„Eine Frage. Wo waren Sie zuvor stationiert?“ DeSoto musste nicht lange überlegen.
„Auf der Eisen. Meine Ausbildung habe ich auf irgendeinen Uraltträger gemacht, das Ding hieß Hermes, inzwischen wohl auch nicht mehr im Dienst. Aber vermutlich hat die Konföderation das Schiff verkauft, die Grenzwelten stehen ja auf solche Sachen.“ DeSoto sah Hawke interessiert ins Gesicht, der jedoch sah sich etwas genauer in dem Korridor um. Am Ende des gut sechzig Meter langen Weges gab es eine Kontrollstation, ein weiterer Techniker versah hier still und einsam seinen Dienst. Hawke ging auf den Mann zu, die schiere Müdigkeit war ihm deutlich anzusehen. Aber sofort nahm man militärische Haltung an.
„Sir!“ Ein schnelles Kopfnicken war alles, was der Mann als Antwort erhielt. Hawke sah jetzt direkt auf die Kontrollstation, hochgradig interessant. Waffentyp und Menge konnten hier ausgesucht werden, die Anweisungen kamen dabei direkt aus dem Briefingraum. So wie es aussah wurden gerade zwei Piranhas startklar gemacht…
„Gutes System?“ Hawkes Frage wurde mit einem Lächeln quittiert.
„Aber ja. Es spart Zeit und Personal. Ab und zu ist es recht langweilig und eintönig, aber keiner macht diesen Job hier mehr als einmal pro Woche. Insofern gibt es nichts zu beanstanden.“ Eine Box mit Munition für die Sturmfeuergeschütze kam für einige Sekunden in Sichtweite, nur dann im Dunkeln eines schmalen Schachtes wieder zu verschwinden. Hawke hatte genug gesehen, freundlich aber bestimmt zeigte er wieder auf das Eingangstor.
„Okay, weiter geht’s. Krankenstation und Messe warten auf uns.“ DeSoto schritt sofort voran.
„Natürlich, kommen Sie, Sir.“
Wer schon einmal die Krankenstation der Midway oder ihrer Schwesterschiffe gesehen hatte, der war zumeist irgendwie irritiert und auch ein wenig enttäuscht. Vier OP-Tische, vier so genannte „Anti-Septic-Tanks“ und einige Regale voller Medikamente – das war es auch schon. Die Saipan jedoch unterschied sich auch hier massiv von ihren Vorgängern.
Da das Schiff auch als riesiges Such- und Rettungsschiff herhalten sollte, fand der Besucher eine gigantische Notfallausrüstung vor. Notunterkünfte, mobile Lazarette – letztere wurden bei Bedarf einfach in eines der Schiffe der Condor-Klasse verfrachtet – ein Labor und Unmengen an Notrationen inklusive Wasserfilter und neue Ausrüstungsgegenstände, die selbst Hawke so bislang noch nie zu Gesicht bekommen hatte.
Hier gab es nichts, womit man Menschen nicht helfen konnte. DeSoto lieferte einige Erklärungen ab, während Hawke etliche der Ausrüstungsteile genauer unter die Lupe nahm. „Das ist ein Peilsender, Sir.“ Ein Peilsender also… interessant.
„Ich sehe hier keinen Anschluss für die Energieversorgung.“
„Es gibt auch keinen, ist ein Wegwerfprodukt. Ist es einmal aktiviert, funktioniert es für maximal 4 Monate. Die Reichweite ist abhängig vom Planeten, in der Regel kommt man damit etwa einen halben Parsec weit. Ist nicht gerade viel, aber besser als nichts.“ Hawke legte das Gerät wieder an seinen Platz zurück.
„Tja, damit müssten wir eigentlich gut über die Runden kommen.“ Sofort wurde DeSoto hellhörig – wusste dieser Pilot etwa schon mehr über die anstehende Mission als er sagte?
„Sir? Wohin geht diese Reise eigentlich? Uns wurde nur gesagt, das wir in die Nähe der kilrathischen Kolonien fliegen würden, aber mehr…“
„Es gibt da ein paar kleine Schwierigkeiten, der Captain wird es Ihnen noch erklären. So gesehen weiß ich selbst auch nicht unbedingt so viel mehr wie Sie. Oder der Rest der Mannschaft.“

*

„Sir? Die Jupiter ist im Sektor und hält Kurs auf uns. Treffen in etwa 45 Minuten.“ Captain Davids sah mit gleichgültigem Gesichtsausdruck auf seinen taktischen Offizier, dann wandte er sich der CAG zu.
„Zeit für Heldentaten. Schicken Sie Hawke und die Alphaschicht raus, sie sollen die Jupiter in Empfang nehmen.“ Commander Drake zögerte etwas.
„Captain, die Alphaschicht hat sich erst vor einer Stunde zur Ruhe begeben, es wäre absolut nicht fair, diese Leute jetzt für so einen Job zu wecken. 24 Stunden Wachdienst reichen fürs…“
„Wollen Sie mir vielleicht vorschreiben, wie ich meinen Job zu erledigen habe? Okay, Sie sind die CAG auf der Saipan, aber ich will Ihre Piloten gerne testen. Vor allen natürlich diesen Hawke… Wir werden ja sehen, wie gut er mit den Druck klar kommen wird.“ Drake holte tief Luft, sie ahnte bereits, was ihr Captain vorhatte. Hawkes Ansehen würde nicht unbedingt in der Mannschaft steigen, wenn er Einsätze mit todmüden Piloten ausführen würde – ohne dabei Protest einzulegen. Nur – Hawke wusste eben nicht, wie es um seine Leute bestellt war, die Flugpläne für sein Geschwader wurden erst noch erstellt…

*

Hawke holte noch einmal tief Luft, ehe er durch die Tür in den Bereitschaftsraum der Saipan trat. Hier sah es genauso aus wie auf der Mistral Sea, mit einem signifikanten Unterschied – die Anzahl der Plätze war deutlich erhöht worden…
Vier Piloten warteten bereits auf ihren Geschwaderkommandanten, sie erhoben sich langsam und müde von ihren Plätzen, als sie Hawke erkannten.
…“Sir!“ Die Begrüßung fiel wie immer spartanisch aus, keiner hier sagte mehr als er oder sie musste…
Hawke musterte kurz das kleine Geschwader, zwei Frauen, zwei Männer. Allesamt verdammt jung, ihre Rangabzeichen zeigten an, das keiner von ihnen die Karriereleiter höher als bis zum Leutnant 2. Klasse geklettert war. Im besten Fall waren diese Piloten Einsätze gegen Piraten geflogen, aber echte Kampferfahrung durfte man wohl nicht von ihnen nicht erwarten.
Nette Aussichten…
„Bitte setzen Sie sich.“ Hawke stellte sich nicht hinter das Pult, das normalerweise für die CAG oder eben für ihn selbst reserviert war – er trat direkt vor seine Piloten und verschränkte die Arme vor der Brust. „Mein Name ist Hawke und ob es Ihnen gefällt oder nicht, ich fungiere als euer neuer Geschwaderführer. Es gibt bei mir nur eine Regel und die sollten Sie sich hinter die Ohren schreiben. Sie kämpfen dort draußen nicht für mich, Sie kämpfen dort draußen nicht für die Konföderation. Sehen Sie den Ihren Platznachbarn an – kommt er oder sie nicht wieder zurück, dann haben Sie versagt. Verstanden?“
„Ja, Sir.“
Diese zwei Worte kamen ungewöhnlich leise daher… Hawke sah jetzt etwas genauer in eines der vier Gesichter.
„Wie lange sind Sie bereits im Dienst?“ Die junge Pilotin mit den knallroten, lockigen Haaren konnte nur mit Mühe ihre Augen aufhalten.
„Sir, wir alle hatten gerade eine 24 Stunden Schicht, inklusive Schulung und Patrouille draußen. Sagen Sie bloß, das Sie das nicht wussten.“
In Hawkes Verstand tauchte ein Bild auf, das einen gewissen Captain Davids mit überbreiten und diabolischen Grinsen zeigte. Dieser verfluchte Schinder… Offenbar wollte dieser Mann schon zu Beginn von Hawkes Dienst dafür sorgen, das die Beliebtheit des Commanders möglichst weit unten innerhalb der Besatzung lag. Und das zu bewerkstelligen war für einen Mann in seiner Position nicht einmal schwer.
„Na schön. Unser Auftrag lautet, die TCS Jupiter zum Träger zu eskortieren. Allerdings… werden wir die ganze Angelegenheit etwas… sagen wir einmal modifizieren. Die Einsatzdaten sind im ICIS, ich sehe Sie dann auf dem Startdeck. Fragen?“
Nur eine Hand ging nach oben – die Pilotin mit dem Lockenkopf meldete sich. „Ja?“
„Darf ich noch schnell einen Kaffee bekommen?“ Hawke lächelte, dann nickte er zustimmend.
„Abflug in 10 Minuten. Wegtreten.“

*

Crewman DeSoto öffnete die Cockpitverglasung der Piranha, sie lehnte sich kurz über die Bordwand und legte die Gurte für den Piloten zurecht. In den Registern der Saipan wurde diese Maschine unter der Nummer 97 geführt, eingetragener Pilot Ulysses Hawke, erstes leichtes Angriffs- und Aufklärungsgeschwader. DeSoto war noch immer unsicher darüber, wie sie denn nun genau mit den Piloten dieser Maschine umgehen sollte. Sicher, er schien Humor zu haben und er hatte sie vor einem Disziplinarverfahren bewahrt, aber trotzdem… Jemand räusperte sich laut hinter ihr, erschrocken fuhr sie herum – nur in das freundliche Gesicht von Hawke zu blicken.
„Sir, Ihr Jäger ist einsatzbereit.“ DeSoto nahm noch während des ersten Wortes sofort militärische Haltung an, der Commander quittierte ihren Auftritt mit einem Lachen.
„Schon gut, Crewman. Aber ich muss Sie jetzt und hier um einen Gefallen bitten.“ DeSoto reagierte verunsichert.
„Sir? Was für ein Gefallen denn?“
„Ich habe hier vier völlig übermüdete und damit fluguntaugliche Piloten von der Alphaschicht. Sie müssen aber fliegen… zumindest laut Anweisung des Captains. Ich hingegen möchte, das Sie die vier hier im Hangar ein ruhiges Plätzchen suchen.“ DeSoto glaubte sich verhört zu haben – meinte der Commander es tatsächlich so, wie er es eben gesagt hatte?
„Sir, ich…“ Hawke legte seinen Zeigefinger auf die Lippen der Technikerin.
„Meine Verantwortung, DeSoto. Der Captain kann mich nicht feuern und die CAG wird einen Teufel tun, als mich vom Dienstplan zu streichen. Ich habe bereits vier andere Piloten angefordert. Es ist wichtig, das Davids die Alphaschicht nicht zu Gesicht bekommt. Also, bekommen Sie das hin?“ DeSoto überlegte kurz, dann nickte sie heftig…
Etwa zwei Minuten später standen die Piloten der Alphaschicht unschlüssig in der Abflughalle, von Hawke oder ihren Jägern war jedoch nichts zu sehen. Dafür trat jedoch eine Technikerin an das Team heran. Sie überreichte einem der Piloten einen Zettel mit einer handgeschriebenen Nachricht. Kurz überflog er die wenigen Zeilen, dann aber legte sich ein schelmisches Lächeln auf seine Lippen.
„Gut, ich verstehe. Und wo ist denn nun der Schlafplatz?“ DeSoto zeigte nach hinten, dort stand einsam und verlassen eine SAR-Maschine vom Typ Condor.
„Wir tauschen derzeit die Triebwerke von dem Baby aus, keiner wird sie dort vermuten. Ach ja, wir werden natürlich leise sein… Versprochen.“

*

„Zeit bis zum Ziel?“
„Wir erreichen die Jupiter in 9 Minuten, Sir.“ Zufrieden sah Hawke aus dem Cockpit nach rechts, dort flog einer seiner „Ersatzpiloten“. Der Mann hörte auf den Namen Smith und er war vom reinen Aussehen her genauso unscheinbar wie sein Name unspektakulär war. Immerhin flog er in strikter Formation, bis jetzt gab es kaum Abweichungen seinerseits, selbst beim Verlassen der Saipan verlor er nicht für eine Sekunde den Anschluss ans Team. Direkt hinter den beiden Führungsmaschinen flog der Rest des Geschwaders in Linienformation, immer schön hintereinander…
Hawke lehnte sich weit im weichen Pilotensitz zurück. Wenn sein Team weiterhin so gut funktionierte, dann würde dieser Routinejob binnen kürzester Zeit vorbei sein.
Nur manchmal gibt es Tage…
Ein kurzes Knacken war im eingebauten Kopfhörer von Hawkes Helm zu hören, offenbar spielte da draußen irgendein Schelm mit den Kommunikationsfrequenzen. Augenblicke später meldete sich eine Stimme.
„TCS Jupiter an anfliegende Piranhas, wir haben sie auf unseren Schirmen. Wir haben eine Aufgabe für Sie, haben ungewöhnliche elektromagnetische Ladungen in unmittelbarer Nähe geortet, bitte werfen Sie einen Blick darauf. Es könnte sich eventuell um eine alte Mine aus Kriegszeiten handeln. Jupiter Ende.“
„Gruppe aufteilen, Echo Zwei und Drei, Sie folgen mir. Wir schauen uns mal diese Störungen etwas genauer an. Echo Vier und Fünf, halten Sie weiter Kurs auf die Jupiter.“
„Verstanden, Sir.“
Das Geschwader teilte sich auf…
Mit jeden Meter, den Hawkes Gruppe zurücklegte, verstärkten sich auch die von der Jupiter entdeckten Störungen – eine einzelne Mine konnte der Commander mittlerweile ausschließen. Draußen war alles dunkel, einen nahen Systemstern gab es hier nicht. Seltsam, es hatte den Anschein, als würden diese Störungen in regelrechten Intervallen auftauchen.
Hawkes Augen suchten fieberhaft die Umgebung ab. Sein Radar blieb stumm, außer den Jägern seines Teams wurden keinerlei Kontakte angezeigt.
„Haltet die Augen auf. Die Schwankungen in den niederen Frequenzbereichen sind enorm.“ Viele andere Staffelführer hätten den Piloten um Funkdisziplin gebeten, Hawke hingegen sah darüber hinweg.
Mit Hilfe eines SWACS hätte man innerhalb von wenigen Sekunden Gewissheit darüber gehabt, ob man tatsächlich nur auf alten Waffenschrott oder etwas anderem, ungleich gefährlicherem zusteuerte. Mittlerweile begann eines der Multifunktionsdisplays im Cockpit von Hawkes Piranha immer stärker zu flimmern, für ein oder zwei Sekunden versagte es sogar den Dienst. Das war nicht gut, gar nicht gut…
„Ich habe es, Entfernung Einhundertsechzig, auf elf Uhr. Sieht so aus wie eine alte Navigationsboje… Oder?“ Hawkes Augen fixierten den angegebenen Punkt in der Dunkelheit, metallisch schimmerte das unbekannte Objekt und nur schwer konnte man etwas über die Form oder gar die Größe aussagen. Erst als das kleine Team auf knapp zwei Meter herangekommen war, tauchten auf der teilweise rußgeschwärzten Oberfläche einige Buchstaben und Zahlen auf. Commander Hawke schaltete die Bugscheinwerfer ein.
„Auf jeden Fall kein kilrathisches Material. AS… 445… Keine Ahnung was das heißen soll, für eine Nav-Boje ist das Ding aber viel zu groß. Vorschläge?“
„Das könnte eine Frühwarnboje sein.“ Hawkes Flügelmann wurde stutzig, er hakte nach.
„Und wie kommen Sie darauf?“
„Wir wurden soeben gescannt, meine lieben Kollegen. Niedriger Frequenzbereich, alte Technologie. So etwas hat unsere Flotte seit über vierzig Jahren nicht mehr im Arsenal. Auf Abstand gehen und haltet die Augen auf!“ Die Worte des Geschwaderführers waren noch nicht in den Headsets der Piloten verklungen, als etwas in der Dunkelheit aufblitzte und mit atemberaubender Geschwindigkeit auf das kleine Team zu jagte. Es verfehlte nur knapp die Maschine von Smith und schlug mit aller Wucht in dem seltsamen Fund ein, der in einer heftigen Explosion verschwand. Metallsplitter, scharfkantig und tödlich zugleich, fraßen sich in die Außenhaut der Piranhas…
„Ausschwärmen! Kein Ziel bieten, Feuer frei!“ Hawke blieb erstaunlich ruhig.
„Funkdisziplin! Smith, wer hat Sie eigentlich zum Teamleader ernannt? Dieser Schuss war nicht auf uns gerichtet, eher auf unseren Fund hier draußen.“ Der Pilot in der Piranha suchte die Gegend fieberhaft nach dem Gegner ab… Tarnjäger. Das fing ja gut an…

*
 

Deacan

Commodore
part X

*

„Commander? Das Team von Hawke meldet soeben einen Zwischenfall, zwei Jäger sind beschädigt, aber einsatzfähig. Laut der Meldung wurde das Team während der ursprünglichen Mission zur Untersuchung einer stationären Störquelle umgeleitet, dort wurde dann auf sie geschossen.“
Die CAG sah in das Gesicht des Kommunikationsoffiziers. Eine Störquelle? Unsicher drehte sie ihren Kopf in Richtung des Captains, doch der tat anscheinend so, als interessierte ihn diese Meldung überhaupt nicht.
„In Ordnung, alarmieren Sie die Wartungsmannschaften, da kommen wohl ein paar Reparaturen auf uns zu. Und ich möchte Mister Hawke sofort nach der Landung sprechen.“
„Ja, Sir!“
Commander Drake ging jetzt einige Schritte auf Captain Davids zu, der nach wie vor seinen Blick stur nach draußen durch das dicke Sicherheitsglas des Brückenfensters richtete.
„Ihre Meinung?“ Keine Reaktion. „Sir?“
„Das Team lebt doch noch, oder? Minen und alte Navigationsbojen gibt es hier draußen zu Tausenden – also was bitte wollen Sie hören, hm? Das wir bereits verfolgt werden und uns die Katzen bereits am Rockzipfel hängen?“
Drake verkniff sich den spitzen Kommentar, den sie eigentlich schon auf der Zunge hatte. Captain Davids hingegen drehte jetzt für einen kurzen Augenblick den Kopf etwas zur Seite, als wolle er sehen, ob seine Worte bei der CAG etwas auslösen würden – sie eine Reaktion zeigen würde, die seiner Meinung widersprechen würde.
Doch nichts dergleichen geschah…
„Sir, ich bin im Bereitschaftsraum, wenn Sie mich nicht länger benötigen?“ Captain Davids machte eine eindeutige Kopfbewegung.
„Nein, Sie können wegtreten. Erstatten Sie mir Bericht, sobald Sie Einzelheiten haben. Und noch etwas, Commander… Ich mag Fakten, keine Fiktionen. Haben wir uns da verstanden?“
„Ja Sir. Das haben wir.“

*

Der an der Deckenschiene montierte Kran hob den kleinen Jäger mühelos nach oben und brachte ihn mitsamt des Piloten innerhalb von wenigen Sekunden in eine leere Wartungsbox.
Zwei Techniker standen schon bereit und schon auf den ersten Blick erkannten sie die tiefen Furchen im Stahl der Maschine. Was auch immer dort draußen geschehen war – der Pilot hatte einen wirklich guten Schutzengel an seiner Seite gehabt. Nur wenige Zentimeter tiefer und es hätte die Bordelektronik erwischt…
Langsam öffnete sich das Cockpit, man half der Besatzung beim Aussteigen aus der engen Kanzel.
„Alles okay bei Ihnen, Sir?“
Commander Hawke nickte zustimmend, dann stand er auf. Die vier anderen Maschinen waren bereits vor ihn gelandet und zumindest den Jäger von Lt. Smith hatte es ebenfalls wirklich böse erwischt.
DeSoto kam ins Bild, sie schleppte eine überdimensional wirkende Werktasche mit sich herum und ihre Worte waren wenig schmeichelhaft.
„Na wunderbar! Was war denn los? Wettrennen bis zur nächsten Boje?“
Hawke räusperte sich kurz.
„Nein. Feindfeuer von der allerfeinsten Sorte. Etliche Splitter im Rumpf meiner Piranha müssten von der verwendeten Waffe stammen, Sie wissen also was ich von Ihnen möchte – richtig?“
DeSoto verdrehte die Augen und eine Grimasse folgte nahezu zeitgleich.
„Das heißt komplette Demontage der unteren Panzerplatten oder einfacher gesagt einen halben Tag Arbeit. Vielen lieben Dank, Sir.“
Hawke quittierte diese Bemerkung mit einem herzerfrischenden Lächeln seinerseits.
„Sehen Sie es einfach von dieser Seite: Sie haben etwas zu tun und ich hinterher einen Grund, Sie auf einen Drink einzuladen. Und alle sind wieder glücklich.“
DeSoto nickte kurz, sie holte aus einer Tasche ihres Overalls einen kleinen Scanner hervor und führte diesen über die getroffenen Panzerplatten.
„Das ist seltsam, Sir. Wer sagten Sie doch gleich hat Ihr Team draußen angegriffen?“
„Ich habe nichts in dieser Richtung bislang gesagt, DeSoto. Was ist los?“
„Sir? Sie haben keinen Schuss abgefeuert, oder?“
Hawke schüttelte energisch den Kopf. „Dann frage ich mich, warum mir hier Reste von Sprengstoffen angezeigt werden, die mit unseren identisch sind…“

*

„Ich habe zwei Fragen an Sie, Commander. Erstens, seit wann ist in meiner Alphaschicht ein Pilot namens Smith dabei und zweitens, was zur Hölle war da draußen los?“
Die CAG reichte Commander Hawke eine Tasse Kaffee, noch bevor dieser eine Antwort geben konnte. Immerhin – die Worte klangen ihrer Bedeutung zum Trotz recht freundlich und auch der Gesichtsausdruck der CAG ließ nicht Negatives vermuten.
Hawke nickte seiner Vorgesetzten dankend zu, während sie sich regelrecht in einen Sessel fallen ließ. Irgendwie sah sie müde aus…
„Zwei Antworten. Erstens, ja ich gestehe – ich habe die Alphaschicht ausgetauscht, denn diese Piloten hätte ich nicht einmal mehr ans Steuer eines Simulators gelassen. Wenn Sie mich dafür zur Verantwortung ziehen wollen, dann tun Sie es besser gleich. Auf der anderen Seite… Captain Davids wird es von mir nicht erfahren. Und zweitens…“
Er nahm schnell einen kräftigen Schluck aus der Tasse. „…habe ich keine Ahnung, wer uns da über den Weg gelaufen ist. Wir haben eine alte Boje entdeckt, vielleicht vierzig Jahre alt, möglicherweise sogar noch älter. Als wir sie scannen wollten, hat man auf das Teil geschossen. Ende der Geschichte.“
„Wer hat geschossen, Commander? Kilrathi?“
Hawke zuckte nur mit den Schultern.
„Die Tarnung war sehr gut, wir haben den Gegner nicht einmal gesehen, als er seine Waffen benützte. Allerdings waren wir nicht in Gefahr – wenn man uns die Zielscheibe verpasst hätte, denn wäre ich jetzt nicht hier und Sie würden einen traurigen Brief an meine nächsten Angehörigen verfassen müssen. Aber eines ist sicher – das da draußen, das war neu. Kilrathi oder nicht – es war auf jeden Fall neu. Oder zumindest komplett überarbeitetes Material.“
Die CAG kratzte sich nachdenklich am Kinn, sie ließ ihren Piloten dabei nicht aus den Augen.
„Ehrliche Antwort bitte. Hätten wir dagegen eine reelle Chance?“
Hawke wirkte für einige Sekunden nachdenklich, dann aber gab er Antwort.
„Diese Piloten hier? Ehrlich gesagt, ich habe da so meine Zweifel. Mein altes Team von der Mistral Sea wäre optimal, aber die Jungs und Mädels stehen ja nicht zur Diskussion. Auf jeden Fall möchte ich einen Blick in die Bewertungsunterlagen aller Piloten der Saipan werfen, um ein kleines Einsatzteam zu bilden. Etwas Trockentraining wäre wohl auch nicht verkehrt, wir haben auf der Mistral Sea einige Taktiken entwickelt, die wir hier einsetzen könnten – zumindest würde das die Überlebenschancen der Piloten verbessern.“
 
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